30.04.2007 Nicht ohne die Alten
Gegenwärtig erleben wir in Europa mit der zunehmenden Veralterung der Gesellschaften eine historisch bisher einzigartige Entwicklung. In Deutschland hat sich die Lebenserwartung von 1934 bis 1998 im Durchschnitt um 16 Jahre auf 77 Jahre erhöht. In anderen europäischen Ländern zeichnen sich ähnliche Entwicklungen ab. Auch mit verstärkter Zuwanderung ließe sich das Problem der Überalterung unserer Gesellschaft praktisch nicht lösen, sondern nur verlangsamen.
Zu diesem Schluss kam der Bevölkerungsexperte Wolfgang Lutz vom Internationalen Institut für Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg vor kurzem im „Morgenjournal” eines staatlichen Senders. Denn um die Überalterung aufzuhalten, bräuchte es “hunderte Millionen Einwanderer”.
Eine Million zusätzlicher Einwanderer in die EU würden von der demografischen Auswirkung her in etwa einer Zunahme bei den Geburten um ein volles Kind pro Frau entsprechen. Damit ist natürlich nicht zu rechnen: Ist bisher der Kinderwunsch höher als die tatsächliche Kinderzahl gelegen, zeigen aktuelle Umfragen eine Umkehrung dieses Trends. Zuwanderung und mehr Kinder könnten den Trend der Überalterung daher bestenfalls verlangsamen. Die Zuwanderung hätte dabei den Vorteil, flexibler einsetzbar zu sein und sich bei der Finanzierung des Sozialsystems schneller positiv niederzuschlagen. Bei einer Erhöhung der Geburtenrate hingegen wären die Auswirkungen erst nach rund 30 Jahren spürbar.
Doch wenn die Gesellschaft immer älter wird und nicht genug junge Leute nachkommen, müssen die Alten länger in Lohn und Brot bleiben als bisher. Altersteilzeit und Frühverrentung würden dann Schnee von gestern sein. Dieser Entwicklung läuft das Verhalten der meisten Personalverantwortlichen in den Unternehmen noch völlig entgegen. Viele Gründe sprechen dagegen, dass künftig weiterhin schon Fünfzigjährige aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Die Sozialsysteme kollabieren, wenn sich das Verhältnis der Erwerbstätigen an der Bevölkerung weiter verringert. Und mit dem Schwund jüngerer Altersgruppen droht in den Betrieben ein Fachkräftemangel. In vielen Branchen – nicht nur im IT-Bereich, sondern zunehmend auch in Handwerk und Industrie ist es schon heute sehr schwer, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden.
Ältere Arbeiter haben spezielle Kenntnisse. Was zunächst als Problem erscheint, kann auch eine Chance sein. Vielen Unternehmen sind durch die Frühverrentung älterer Arbeitnehmer in den letzten Jahren Kompetenzträger verloren gegangen, die nur schwer oder gar nicht zu ersetzen sind. Hinzu kommt, dass Umstrukturierungsmaßnahmen von Firmen nach modernen Management-Methoden für innerbetriebliche Karrieren wenig Platz boten. Für Veränderungen wurde lieber auf Know-how von außen zurückgegriffen. Dabei sind es gerade die älteren Kollegen die mit ihrer Erfahrung die Unternehmen sehr oft nach vorne bringen.
Neue strategische Ansätze sind also gefordert und wie diese im Personalmanagement aussehen erläutert Hr. Prof. Dr. Dudo von Eckardstein, ordentlicher Universitätsprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien an diesem sicherlich spannenden Vortragsabend.
Weitere Informationen hierzu finden Sie unter
http://www.marketingclub-muenchen.de/
Autor: Ing. Mag. Markus Costabiei, MBA
Quelle: Marketing Club München





